Museen & Galerien

Museum für Grenzgänger

Die Geschichte des "Museums für Grenzgänger" in Bad Königshofen ist zugleich die Geschichte des Umgangs der Menschen im Grabfeld mit der Grenze zur DDR.

Nachbarn im Grabfeld

Museum für Grenzgänger Bad Königshofen Rhön Grabfeld (1)

Das über Jahrhunderte gewachsene nachbarschaftliche Miteinander der Menschen im Grabfeld endete nach dem Zweiten Weltkrieg unvermittelt. Fortan trennte die nahezu unüberwindliche "Zonengrenze" den durch gemeinsame Tradition und Sprache verbundenen Kulturraum. Erst seit der Wende 1990 zeichnet sich ein neuerliches, freundschaftliches Zusammenwachsen des bayerischen und thüringischen Grabfelds ab.

Diese sich wandelnde Nachbarschaft über Grenzen hinweg wurde und wird getragen von den Menschen im Grabfeld. Sie lebten mit den Grenzen, ignorierten oder überwanden sie. Deshalb stehen auch diese Menschen im Mittelpunkt des "Museums für Grenzgänger". Einige ausgewählte Personen fanden daher als "Grenzgänger" in der Ausstellung ihren Platz. Sie informieren den Museumsbesucher über ihre persönlichen, mit den Grenzen verbundenen Lebenswege - stellvertretend für viele tausend andere "Nachbarn im Grabfeld".

Die erste Ausstellung, die in der Region die Grenze thematisierte, befand sich ab 1966 in der Grenzinformationsstelle in Breitensee. Bald entstanden auch andernorts solche Informationsstellen, etwa in Fladungen, Rappershausen und in Bad Königshofen. Mit der Wiedervereinigung verloren diese Einrichtungen ihre politisch-aufklärende Bedeutung. Die Ausstellungsstücke verschwanden in Kellern und Dachböden.

Im Grabfeld nahm sich jedoch der Verein für Heimatgeschichte der historischen Aufarbeitung der DDR-Grenze und ihrer Folgen an: Er sicherte die Exponate und konnte schon 1992 in zwei Räumen des Kurzentrums in Bad Königshofen ein "Grenzmuseum" eröffnen. Das Regime der DDR wurde darin ebenso erklärt wie der Aufbau der Grenzanlagen. Die Ausstellung dokumentierte 40 Jahre Zeitgeschichte.

Im Zuge der Sanierung des Kurzentrums musste das Grenzmuseum im Oktober 2000 nach Schloss Wolzogen in Mühlfeld ausweichen. Dort fand ein Teil der Exponate weiterhin eine provisorische Aufstellung. Unterdessen liefen jedoch bereits die Planungen für die dauerhafte Neueinrichtung eines Museums zum Thema Grenze in Bad Königshofen an. Nun jedoch sollte das Verbindende, das "Beiderseitige" der Grenze im Mittelpunkt stehen.

Unter dem Titel "Museum für Grenzgänger - Nachbarn im Grabfeld" wurde die Ausstellung am 17. Juni 2006 eröffnet. Sie umfasst etwa 150qm und entspricht in ihrer Gestaltung und technischen Ausstattung (Medienräume) heutigen Ansprüchen an ein modernes Museum.

Das Grabfeld ist ein zusammenhängender Kulturraum, in dem Jahrhunderte lang dieselben Arbeitsbedingungen herrschten und in dem bis heute derselbe Dialekt gesprochen wird. Daran konnten politische Grenzen zu keiner Zeit etwas ändern! Bis zur Errichtung der unüberwindlichen DDR-Grenze war es für viele Menschen im Grabfeld selbstverständlich, die Grenze zu überschreiten: Um zur Arbeit zu kommen oder um Feste zu feiern! Als "Grenzgänger" erzählen sie im Museum von ihren Grenz-Erlebnissen.

Mit der Errichtung und dem Ausbau der Grenze zur DDR ab 1952 zerfiel das Grabfeld in zwei Teile. Im Westen entwickelte sich mit dem "Zonenrandgebiet" ein ganz besonderer Grenzraum. Wirtschaftliche und soziale Schwierigkeiten, die die Randlage mit sich brachte, sollten durch Fördermaßnahmen kompensiert werden. Doch erst die Wende ließ 1989 auf einen Neubeginn hoffen. Während die Erlebnisse der "Grenzgänger" zu DDR-Zeiten von Gefahr und Kontrolle handeln, weisen spätere Grenzerfahrungen in die Zukunft. Die jüngsten Grenzgänger stehen für einen Neuanfang im Grabfeld!

Die innerdeutsche Grenze hinterließ nicht nur in den Menschen ihre Spuren, sondern auch in der Landschaft, auch wenn sie vielerorts schon stark verwischt sind. Lohnend ist jedoch noch immer der Besuch des ehemaligen Grenzübergangs Henneberg - Eußenhausen. Hier "auf der Schanz" richteten die Landkreise Rhön-Grabfeld und Schmalkalden-Meiningen zur Erinnerung an die 40jährige Teilung einen Skulpturenpark ein. Die Stadt Mellrichstadt ließ 2004 die in unmittelbarer Nähe gelegenen originalen Reste der Grenzanlagen und des Grenzübergangs sanieren und der Verein für Heimatgeschichte im Grabfeld e.V. sorgte für eine Erläuterungstafel. Außerdem beginnt hier der 40 km lange "Friedensweg", ein Rad- und Wanderweg entlang der ehemaligen Grenze nach Hermannsfeld in Thüringen. Informationstafeln zur Grenze begleiten ihn.

Reste der Deutsch – Deutschen Grenze finden sich auch zwischen Rieth und Zimmerau, in Verbindung mit dem Bayernturm, der 1966 als regionale Attraktion im Rahmen des Grenzlandtourismus in Zimmerau errichtet wurde, besteht die Möglichkeit zu einer spannenden Tour zu Originalschauplätzen des geteilten Deutschland.

 

Die Öffnungszeiten, Kontaktdaten für Führungen zu den Außenanlagen des Museums entlang der ehemaligen Grenze und vieles mehr finden Sie unter www.museum-fuer-grenzgaenger.deexterner LinkLogo_MFG_cmykFreigestellt

 

 


Martin-Reinhard-Straße 9

97631 Bad Königshofen im Grabfeld

Tel: 09761 - 3979011
Fax:


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