Grenzgeschichte(n) der Rhön

Auf etwa 250 Kilometern verlief die deutsch-deutsche Grenze durch die Rhön. Sie trennte Dörfer, Freunde und Familien. Heute ist aus dem einstigen Todesstreifenlängste in Symbol der Einheit geworden.

Grenzturm bei BirxWo Grenzanlagen trennten, verbinden heute Naturschutzgebiete, Wander- und Radwege sowie länderübergreifende Projekte die Menschen. Dennoch: In der Rhön erlebt man die jüngste deutsche Geschichte hautnah.

"Als ehemaliger US Luftwaffen-Soldat auf der Wasserkuppe habe ich den OST-West Mauerfall erlebt. Es erfüllt mich mit großer Freude, dass eines der Hauptanliegen des NATO-Auftrags Wirklichkeit wurde: 'Das Deutsche Volk vereint in Frieden und Freiheit.'" (James J. Harkins, USA).

In der Rhön befand sich der "heißeste Punkt im Kalten Krieg". Militärexperten gingen davon aus, dass es bei einem dritten Weltkrieg genau hier zur Konfrontation käme: Am Fulda-Gap rechnete die NATO mit dem Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen. Entsprechend gesichert war die Grenze.

"Viele Menschen kennen die Umstände der Teilung nicht mehr. Es ist ihnen auch nicht bewusst, wie drastisch die Grenze war - mit Starkstromanlagen, Hundestaffeln und Schießbefehl." (Albert Zörgiebel, ehemaliger BRD-Zollbeamter, Tann).

Zahlreiche Erinnerungsstätten sind in der Rhön Zeugen der deutschen Teilung. Neben 22 Grenzwachttürmen vermitteln unter anderem die Gedenkstätte am Point Alpha, das Grenzmuseum in Tann, das Museum für Grenzgänger in Bad Königshofen sowie das Heimat- und Geschichtsmuseum mit der Brücke der Einheit in Vacha ein lebendiges Bild.

Die Geschichte der Rhön als Grenzland ist jedoch älter als die des Kalten Kriegs. Kelten, Ritterorden, die Grafen von Henneberg, Äbte aus Fulda und Würzburg, hessische Landgrafen und Bayerns Könige hinterließen ihre Spuren. So kann man heute über Dialekte, Bierglasgrößen, die Knödelfrage und Bratenrezepte streiten.