Bayernturm
Bayernturm
Bayernturm bei Zimmerau

Eines der Wahrzeichen des Grabfelds ist der „Bayernturm“ auf dem Büchelberg bei Zimmerau.

Den 38 m hohen Aussichtsturm bestiegen bisher rund eine halbe Million Menschen. Wie beabsichtigt, wurde das Bauwerk ein Besuchermagnet ersten Ranges im Grabfeld. Er wurde als Symbol der Einheit der Deutschen in unmittelbarer  Zonengrenznähe errichtet.

Im August 1964 beschlossen die Gemeinderäte der beiden Zonenrandgemeinden Zimmerau und Sternberg unter ihren Bürgermeistern Edmund Spielmann (Zimmerau) und Hans Albert (Sternberg) auf Anregung von Landrat Dr. Karl Grünewald den Bau eines Aussichtsturms in unmittelbarer Zonengrenznähe.

Vereinbart wurde die Gründung einer „Turmgemeinschaft Zimmerau-Sternberg“. Auf dem Büchelberg, einer Anhöhe von 429 m, hart an der Zonengrenze gelegen, glaubte man den richtigen Platz für einen Aussichtsturm gefunden zu haben. Landrat Dr. Karl Grünewald und Kreisbaumeister Fritz Köth, der Planer des Aussichtsturms, hatten sich zuvor bei einem Hubschrauberflug vom herrlichen Rundblick, vor allem ins nahe und doch so ferne Thüringen überzeugt.

Geplant war, den Bau bis zur Fremdenverkehrssaison 1965 fertigzustellen - dem Jahr der sich zum 150. Mal jährenden Zugehörigkeit Frankens zu Bayern. Der Turm  erhielt später auch den Namen „Bayernturm“, um an dieses Jubiläum zu erinnern.

Ursprünglich war vorgesehen, in sieben Stockwerken des Turms moderne Fremdenzimmer und auf der Plattform ein zweigeschossiges Restaurant entstehen zu lassen. Die Bauausführung verzögerte sich jedoch vor allem wegen der Finanzierung eines solchen Großprojekts. Im Oktober 1965 wurde zunächst festgelegt, der Turm werde eine Höhe von 56 m haben, die Plattform, die per Aufzug zu erreichen ist, ein Turmrestaurant erhalten.

Im Frühjahr 1966 begannen nach einigen weiteren Abstrichen in der Planung (verzichtet wurde wegen fehlender Mittel auf Aufzug und Restaurant, auch wurde eine Höhe von 38 m als ausreichend erachtet) die Bauarbeiten, und der Turm, der 365.000 DM kostete, konnte bereits ab Frühsommer des gleichen Jahres bestiegen werden.

Der Bayernturm bietet einen herrlichen Rundblick auf den Thüringer Wald, das Coburger und Südthüringer Land, auf Obermaingebiet, Rhön, Haßberge und Steigerwald. Vor allem aber konnte bis zum Fall des „Eisernen Vorhangs“ der Verlauf der innerdeutschen Grenze gut verfolgt werden.

Am 21. August 1966 wurde der „Bayernturm“ dann offiziell seiner Bestimmung übergeben. Die Bürgermeister von Zimmerau und Sternberg Edmund Spielmann und Hans Albert bezeichneten das Bauwerk als „Leuchtturm für die Bevölkerung in Mitteldeutschland, die ihn als Symbol der Freiheit diesseits der Grenze sehen könnten!“ Der Bundestagsabgeordnete Alex Hösl gab der Hoffnung Ausdruck, daß der Bayernturm eines Tages wieder mitten in einem vereinigten Deutschland in einem geeinten Europa stehen möge.

Im Erbauungsjahr bestiegen allein 30.000 Besucher den Aussichtsturm. Ein Rekord war im darauffolgenden Jahr zu verzeichnen, wo 50.000 Besucher registriert werden konnten. Nicht ohne Grund titelte eine Tageszeitung in jenen Jahren: „Das Grabfeld ist aus seinem Dornröschenschlaf erwacht.“  Seit jenen Anfangsjahren liegt der Eintrittspreis für die Turmbesteigung konstant bei 1 DM.

Um die Kosten des Turmbaus möglichst schnell decken zu können, bewirteten die Gemeindevertreter aus den beiden kleinen Gemeinden in den sechziger Jahren am Wochenende die Gäste.

1967 errichtete Edmund Spielmann in unmittelbarer Nähe des Turms eine Gaststätte, den Berggasthof „Zum Bayernturm“. Ab 1972 entstand auf Betreiben des Zimmerauer Bürgermeisters Otto Bauer und dessen Gemeinderäten am Fuß des Büchelbergs unterhalb des Bayernturms ein ausgedehntes Ferienhausgebiet.

1979 wurden mit einem Kostenaufwand von 250.000 DM ein Parkplatz sowie eine Toilettenanlage gebaut.

1986 feierte die Gemeinde  mit einem großen  Fest das 20jährige Jubiläum des Aussichtsturms. Der Schirmherr des Festes, Landrat Dr. Fritz Steigerwald, betonte beim Festkommers, daß der Bayernturm ein Symbol und Hoffnung auf ein einiges und freies Deutschland sei. Sulzdorfs Bürgermeister Lorenz Albert mahnte in seiner Festrede, die Hoffnung nicht aufzugeben, daß der Bayernturm einst im Herzen Deutschlands und nicht mehr direkt an einer tödlichen Grenze stehen werde.

Für ihre besonderen Verdienste beim Bau des Bayernturms wurden damals geehrt: Edmund Spielmann, Hans Albert, Otto Bauer, Karl Warmuth, Oskar Albert, Alfons Werner, Bruno Beck, Karl-Heinz Brüger, Georg Glückstein, Fritz Warmuth, Lorenz Albert, Franz Albert, Eugen Mantel, Oswald Schleier, Oswald Ilchmann, Max Jakob,  Erich Götz, Walter Scheider, Rudi Klenner und Robert Gill.

Erfüllt haben sich die Hoffnungen, die mit dem Bau des Turms in den sechziger Jahren verknüpft waren. Die mörderische Grenze ist gefallen, und unsere Region liegt nicht mehr am Rande, sondern inmitten eines in Freiheit geeinten deutschen Vaterlandes.