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Westheimer Wetzstein (Volkskundliche Überlieferung)
  1463
  Beschreibung

Der Westheimer Wetzstein war ein Geschenk des Grafen Heinrich XI. von Henneberg für die Kaltenwestheimer Frauen. Sie hatten 1463 bei einem Überfall der Ritter von der Tann und ihrer Verbündeten ihre kampfgeschwächten Männer unterstützt und die Angreifer mit kochendem Wasser und Steinen in die Flucht geschlagen. Seinen Namen hatte das Ehrenmal schnell weg, weil junge Burschen und Auswärtige an dem Stein zum Spott ihr Messer wetzten. Die Frauen hatten vom Herzog die Erlaubnis erhalten, solche Spötter im nahen Borntrog zu tauchen, bis diese Lösegeld bezahlten. Vom Erlös feierten die Frauen jedes Jahr ein Fest. Beim versuchten Diebstahl durch die Jäger des Kurfürsten Johann Georg I. von Sachsen im Jahre 1615 ging der Stein zu Bruch. Die Täter mussten für Ersatz sorgen. Dieser zweite Stein wurde an Ostern 1945 beim Angriff amerikanischer Flieger zerstört. Seit 1955 erinnert ein dritter Stein vor dem Gemeindehaus an den Mut der Westheimer Frauen.
  Bedeutung

Der Wetzstein zeugt von den zahlreichen Scharmützeln, die unter den Grafen und Rittern im Mittelalter an der Tagesordnung waren.
Auch auf das Geschlechterbild der damaligen Zeit wirft es ein Licht: Mit ihrem Eingreifen gaben die Westheimer Frauen ihre Männer dem Spott preis. Noch Jahrhunderte später bot der Gedenkstein Anlass für Hänseleien und Männer versuchten mehrfach, ihn zu entfernen.


 
Lesen

Erich Meyer in "Die Heimat" vom 27. Oktober 1923, 22. Jahrgang Nr. 23/24
 
Theaterstück "Der Westheimer Wetzstein" von Pfarrer Georg Floel (Amtszeit 1891-1902)
 
 
Internet

Ludwig Bechstein, "Der Westheimer Wetzstein", aus "Der Sagenschatz des Frankenlandes", Würzburg 1842Sagen
 Ludwig Bechstein beschrieb 360 Jahre später das Ereignis als Sage. Der Volksmund hatte inzwischen zwei Ereignisse miteinander verwoben: In der Sage findet der Angriff nicht auf Kaltenwestheim, sondern auf Kaltennordheim statt. Einen solchen Angriff hatte es auch tatsächlich gegeben, allerdings nicht im Februar, sondern im Sommer 1463. „... Als der unruhige Graf Heinrich XI. von Henneberg in den geistlichen Stand getreten war, mochte ihn nach seines Bruders Tod dieser Schritt wieder gereut haben; denn er erschien damals plötzlich eines Tages in seiner Heimat und setzte sich mit Gewalt widerrechtlich in den Besitz des Schlosses und Amtes Kaltennordheim. Da aber der unruhige Herr bald mit diesem, bald mit jenem Streit begann, so tat sich der umwohnende Adel zusammen, verwüstete das Amt Kaltennordheim und brannte das Schloss Merlins, welches damals hauptsächlich mit den von ihren Frauen hierher geflüchteten Männern aus Kaltenwestheim tapfer verteidigt wurde, nieder. Als aber die Verteidiger keinen Widerstand mehr zu leisten vermochten, traten die Frauen an die Stelle der Männer und verbrühten den stürmenden Adel dermaßen mit siedendem Wasser, dass dieser abziehen musste. Zum Dank für die Rettung seines Schlosses stellte Heinrich den Frauen die Wahl frei zwischen einer Gedenksäule und dem Marktrecht für den Ort. Die Weiber wählten die erstere. Doch kaum war diese errichtet, so wurden die Männer von Westheim von der Umgegend als feige und der Stein als Wetzstein verspottet. Als die Frauen sich bei Heinrich beklagten, ernannte dieser die dem Stein am nächsten wohnende Frau zur Steinschulzin, ließ an deren Haus ein Glöckchen anbringen und die anderen Frauen mit langen Holzzangen versehen. Kam nun wieder eine Neckerei vor und die Schulzin läutete das Glöcklein, so stürzten sämtliche Frauen mit ihren Zangen aus den Häusern, fingen den Frevler ein und durften ihn in einem Trog so lange baden, bis er sich mit einem Essen für die Weiber losgekauft hatte...“

 AutorIn Sandra Limpert
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Ansehen
Wetzstein
Orte (www.rhoen.de)
Kaltenwestheim
Anlagen
"Die Heimat" 27. Oktober 1923
Amtsbeschreibung Weimar von 1755 über den...
Der "Westheimer Wetzstein", das Ehrenmal der...
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