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Siedlung der Latènezeit bei Brendlorenzen (Historische Stätte)
  250  v.Chr.bis 15  v.Chr.
 
  Beschreibung

Die Entdeckung einer spezialisierten Siedlung der Latènezeit verdanken wir der aufmerksamen Beobachtung eines Neubaugebietes am Rande von Brendlorenzen durch einen Hobbyarchäologen. Gleichzeitig mit den Erschließungsmaßnahmen für das Neubaugebiet fanden in den Jahren 2001 und 2002 Rettungsgrabungen statt.

In der Latènezeit lag der „Laufhorizont“, also die Bodenoberfläche etwa ½ bis 1 m höher als heute, so dass nur erhalten blieb, was sich entsprechend tief im Boden befunden hatte. Das waren Spuren von kellerartigen Grubenhäusern, Abfallgruben und vor allem die Überreste von sechs Töpfer-Brennöfen. Die Handwerker der Latènezeit hatten ihre Siedlung auf einer mächtigen Lehmschicht, dem Rohmaterial für die Töpferwaren, errichtet. Die Schicht hat hier heute noch eine Mächtigkeit von mehr als drei Metern.

Die Brennöfen hatten unterschiedliche Bauweisen. Ein Ofen besaß an Stelle einer Lochtenne aus Lehm Steinroste. Darauf stand ehedem das Brenngut. Bei einem weiteren Ofen war die äußere Schürkammerwandung mit Kalksteinplatten ausgekleidet. Beide Befunde sind ohne bekannte Parallele.

In den Öfen befanden sich keine Töpferwaren mehr. Ein Hinweis darauf, dass die Öfen und wohl auch die Siedlung nicht durch kriegerische Ereignisse zerstört, sondern freiwillig aufgegeben wurden. In der Umgebung der Öfen konnten aus Abfallgruben Reste von Fehlbränden geborgen werden, die einen Einblick in die Produktion der Töpfer gewähren. Der lokalen Fertigung scheinen vor allem die Gefäße zu entstammen, die in Kammstrichtechnik mit Wellenmustern versehen worden waren. Möglicherweise handelt es sich dabei um eine besondere, ortstypische Verzierungsart. Die wissenschaftliche Auswertung der Funde ist noch nicht abgeschlossen. Häufig sind ferner „Einglättverzierungen“, wie sie nördlich des Thüringer Walds verbreitet waren. Eine Scherbe verweist auf Beziehungen in den Süden und Westen, sie ist mit einem Stempelmuster der „Braubacher Zier“ versehen. Ein Großteil der Keramik ist Drehscheibenware von guter Qualität und schwarzer Farbe. Daneben wurde auch handgetöpferte Ware hergestellt. Fremd erscheinen große Vorratstöpfe (Dolien) mit dickwandigem, hartgebranntem Scherben.

Neben Töpfern lebten in der Siedlung weitere Handwerker. Der Fund einer unversehrten, zweiteiligen Sandsteingussform für die Herstellung von runden Schmuckteilen mit strahlenförmiger Verzierung, zehn gleichartige Eisenfibeln und Schlackenreste verweisen auf Metallverarbeitung. Stücke von Rohbernstein lassen an eine lokale Schmuckfertigung denken.

Zeugnisse des Alltags sind Handdrehmühlen aus Sandstein und Basaltlava, Spinnwirtel, eine Schere und verschiedene Messer. In den Abfallgruben wurden viele Tierknochen entsorgt. Sie stammen von Rindern, Schweinen, Schafen und/oder Ziegen, Pferden, Hunden, Vögeln und Nagetieren (Biber). Die Reihenfolge spiegelt die Fundhäufigkeit wieder.

Die „Töpfersiedlung“ von Brendlorenzen bestand zur gleichen Zeit wie die „Oppida“ auf dem Kleinen Gleichberg und der Milseburg. Für diese zeitliche Einstufung sprechen Funde von Fibeln sowie Bruchstücken von Glasarmringen und Glasperlen, die gut datierbar sind. Ein besonderer Glasfund stellt eine Gemme aus gelber Glaspaste dar, in die eine Frauenfigur gestempelt ist. Solche Gemmen wurden während der letzten beiden Jahrhunderte vor der Zeitenwende im „italischen“ Raum gefertigt.
  Bedeutung

Die differenzierte wirtschaftliche Struktur und das handelsorientierte Handwerk zeigen auf, dass die Siedlung in das überregionale Verkehrsnetz eingebunden war und von mehr als nur lokaler Bedeutung war.

 
Lesen

„Vorzeitung“ – Mitteilungen der Archäologischen Arbeitsgruppe Rhön-Grabfeld 18, 2000/01
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 AutorIn Birgit Schmalz
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Orte (www.rhoen.de)
Brendlorenzen
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