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Bisamratte: Riesenwühlmaus und Sumpfhase (Flora & Fauna)
 
 Beschreibung

Mit der Bezeichnung Bisamratte tut man dem fast 50 Zentimeter langen Pelztier unrecht. Der Bisam gehört zu den Wühlmäusen und ist gewissermaßen eine Riesenwühlmaus. Angefangen hat alles im Jahre 1905 auf Schloß Dobrisch bei Prag. Dort setzte der böhmische Graf Colloredo-Mannsfeld drei aus Alaska mitgebrachte Bisampaare aus, um die Fauna um eine wertvolle Pelztierart zu bereichern. Innerhalb weniger Jahre eroberten die Nager alle Länder Europas. In Osthessen hat sich der Nager vor allem in den tieferen Lagen zuerst angesiedelt, in Osthessen z.B. in und um Fulda, wo er bereits vor dem Zweiten Weltkrieg systematisch bekämpft wurde. Teilweise oblag auch diese Arbeit dem Flurschütz (Feldpolizisten), den es damals noch gab. Heute fällt die Bisamjagd in den Zuständigkeitsbereich des hessischen Pflanzenschutzdienstes und wird von den Kommunen betreut. Vor wenigen Jahren suchte zum Beispiel das Ordnungsamt der Gemeinde Eiterfeld nach einem naturverbundenen Jäger oder Angler, der an den dortigen Gewässern den Bisam dezimieren sollte. Der ausgewählte Jäger hatte als Beweis für jeden Fang den Schwanz abzugeben. Jeder Schwanz wurde mit vier Mark honoriert. Weniger bekannt ist, dass das Fleisch des Bisams als überaus schmackhaft gilt. In Holland wird in einigen Gaststätten der Bisam als Sumpfhase serviert und geschätzt. Auch bei uns gibt es inzwischen einige Anbieter. Begreiflicherweise stoßen sich die meisten Menschen an der ungerechtfertigten Bezeichnung Ratte, aber der rattenähnliche lange Schwanz des Sumpfhasen wird auf dem Teller ja nicht mitserviert.

 Bedeutung

Die Bisamratte ist in der Vorder- und Kuppenrhön mittlerweile relativ weit verbreitet. Ihre intensive Grabtätigkeit vor allem entlang der Ufer unserer Fließgewässer bringt so manchen Landwirt zur Verzweiflung. Doch was den Landwirt ärgert und das Befahren der ufernahen Abschnitte mit dem Traktor gefährlich macht, ist aus der Sicht des Naturschutzes nicht unbedingt ein Problem. Bei Hochwasser können die Bisambaue Initiale sein für Uferabbrüche, Unterspülungen oder Wasserausbrüche in die angrenzenden Wiesen. Damit unterstützt die Grabtätigkeit des Bisam an einigen Stellen in unserer Kulturlandschaft wieder eine natürliche Dynamik in der Aue. Doch heimische Tiere wie der Biber können das genauso gut, so dass es eigentlich des Faunenfremdlings Bisamratte nicht bedarf. Nur ist der Biber an den meisten Gewässern noch fehlend und kommt damit als Gewässer- bzw. Auengestalter auch noch nicht in Frage, während der Bisam weit verbreitet ist. Wichtiger ist der Nutzungsverzicht entlang eines bis 10 Meter breiten Uferrandstreifens, der die Probleme mit den Flächennutzern minimiert und der Fauna insgesamt sehr zugute kommt.


 AutorIn Joachim Jenrich
 Kommentare

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Ansehen
Bisamratte
Quelle: Joachim Jenrich
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