 | Rockenstuhl (Berg) | | | | | | Beschreibung
Der Rockenstuhl mit einer Höhe von 529 m liegt etwa 5 km südlich von Geisa zwischen dem Ulster- und Geisatal.
Bedingt durch den aufgesetzten Basaltkegel und seine geographische Lage ist er ein Wahrzeichen des Geisaer Amtes.
Auf dem geschichtsträchtigen Rockenstuhl befindet sich eine Schutzhütte, in deren Nähe Reste der Begrenzungsalge der ehemaligen Burganlage zu sehen sind.
Auf einer Wanderung auf dem historischen Lehrpfad Geisa-Rockenstuhl erhält der Wandere wichtige geschichtliche Informationen und kann sich an der reizvollen Landschaft erfreuen. | | | Bedeutung
Im Hoch- und Spätmittelalter hatte der Rockenstuhl für das ehemalige Amt Geisa eine große Bedeutung. Bereits im 12. Jh. wurde zur Absicherung des Fuldaer Landes ein ganzer Ring von Burgen errichtet. Auch der Rockenstuhl erhielt ein solche. Die Burg gehörte zum Kloster Fulda und wurde als Lehen vergeben.
In einer Urkunde des Jahres 1185 wurden die ersten Ministerialen derer vom Rockenstuhl aufgeführt. ImJahre 1186 ist ein Gerlach vom Rockenstuhl als Zeuge genannt, ebenso imJahre 1187 ein Bertholdvom Rockenstuhl, und imJahre 1222 traten Eckard und Tragebotevom Rockenstuhl als Zeugen auf.
Besonders in der Zeit des Interregnums (1256- 1272) wurden viele Adelige zu Wegelagerern, und so ließ Fürstabt Bertho II., nachdem er um 1265 aus entsprechenden Sicherheitsgründen Geisa mit einer Mauer hatte umgeben lassen, 25 Raubritterburgen zerstören, darunter auch die auf dem Bocksberg (s.~~) und auf dem Rockenstuhl. Doch schon bald muß das Gebäude am Rockenstuhl wieder aufgebaut oder instandgesetzt worden sein. Zu Anfang des 1 4Jh. gingen dann die Verwaltung und die Gerichtsbarkeit des Amtes Geisa auf Schloß Rockenstuhl über, nachdem Geisa wohl nichts Gleichwertiges entgegenzusetzen hatte. Damit gewann der Berg erheblich an Bedeutung. Im Jahre 1327 wurde erstmals ein Amt Rockenstuhl urkundlich erwähnt. Seit dieser Zeit wurde das Geisaer Land vom Rockenstuhl aus über mehrere Jahrhunderte hinweg von lehenspflichtigen Rittern, welche dem Kloster Fulda unterstellt waren, regiert. Sie hatten die Aufgabe, das fürstäbtliche Kammergut zu verwalten und für die Abgaben (überwiegend Naturalien, später Geld) der lehenspflichtigen Bauern zu sorgen. Außerdem waren sie für die Sicherheit der Region, z. B. für das Geleit auf den Straßen und für das Gerichtswesen, zuständig. Die Fuldaer Fürstäbte nutzten die Schloßanlage vom 14.Jh. an häufig als Residenz.
1354 wurde auf dem Rockenstuhl unter Fürstabt Heinrich VII. von Kranlucken (Craluck) und dem Pastor von Schleid, Gerhard von Weilnau, eine Kapelle erbaut und dem hl. Pankratius geweiht. Die Betreuung erfolgte durch einen Vikar der Pfarrei Schleid.
Unter den Märtyrern Roms genießt der hl. Pankratius (ca. 3. Jh.) besondere Verehrung. Er soll als junger Adliger im Altervon etwa l4Jahren wegen seines Christusbekenntnisses enthauptet worden sein.
Pankratius ist in Deutschland als Patron der Ritter und Erstkommunikanten bekannt und wird zuweilen auch zu den Nothelfern gezählt. Des Weiteren werden die junge Saat und die Blüten seinem Schutz empfohlen. Überdies soll er Hilfe gewähren gegen Meineid und falsches Zeugnis. Sein Gedenktag ist der 12. Mai. Die Bauernregel kennzeichnet ihn auch als Eisheiligen. Hermann Langgut, der Vorsitzende des befreundeten Rhönklub-Zweigvereins Elters, hat im Rahmen der Arbeiten zum Lehrpfad eine 90 cm hohe Pankratiusfigur für das Schutzhaus geschnitzt.
Unter den Amtmännern des Rockenstuhls gab es auch einen Melchior von Dernbach. Sein Bruder Baithasar war Fürstabt von Fulda und führte als erklärter Gegner der Reformation die Bevölkerung des Geisaer Landes zum alten katholischen Glauben zurück.
Jüngster Sohn Melchiors war Peter Philipp. Dieser wurde am 1. 7. 1619 in Geisa geboren und erreichte die wohl höchsten Ämter in der Familie derer von Dernbach. Unter anderem war er Fürstbischof von Bamberg und Würzburg (1675 - 1683). Die deutschen Fürsten gaben ihm scherzhaft den Namen “Peter Lustig“. Der beliebte und hochgeachtete Peter Philipp von Dernbach starb am 24.4. 1683.
In der Mitte des 17. Jh. gehörten dem Amt Rockenstuhl folgende Orte bzw Ansiedlungen an: Geisa, Apfelbach, Bermbach, Borbels, Borsch, Bremen, Buttlar, Geblar, Geismar, Gerstengrund, Hochrain, Ketten, Kohlbach, Kranlucken, Langwinden, Lenders, Mellendorf, Merles, Mieswarz, Motzlar, Otzbach, Reinhards, Rockenstuhl, Röderkirchhof, Rothof, Schleid, Seeleshof, Spahl, Steinerts,Sunzenhausen, Walkes, Wenigentaft, Wiesenfeld und Zitters.
Im Jahre 1699 soll das Schloß durch Blitzschlag zerstört worden sein. Verwaltungs- und Gerichtssitz wurden wieder nach Geisa verlegt. Von der alten Schloßanlage sind nach dem Abtragen der Bausteine nur noch wenige Mauerreste des Schloßhofes, Reste der Gebäudefundamente und eine überwachsene Halde mit Gebäudeschutt erhalten geblieben. Es ist kaum möglich, eine Grundrißführung des ehemaligen Schlosses nachzuvollziehen.
Zahlreiche Funde vom Rockenstuhl werden im Geisaer Heimatmuseum aufbewahrt.
| | | AutorIn Frau Filler | | | Kommentare
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