 | Bad Königshofen (Begriffserläuterung) | | | | | | Beschreibung
Zeitenwende - Schon zur römischen Kaiserzeit befindet sich bei Königshofen eine weiträumige Siedlung, wie Ausgrabungen von 1994 beweisen.
741/42 wird „Chuningishaoba in pago Graffeldi“ erstmals urkundlich erwähnt. In dem Dokument wird die Schenkung von 26 Eigenkirchen zur Ausstattung des neugegründeten Bistums Würzburg bestätigt. Diese Übergabe und der Name der Siedlung beweisen das Vorhandensein von Reichsgut aus der Merowingerzeit. In dem ehemaligen Königshof darf man einen bedeutenden Stützpunkt für die militärische Sicherung und die wirtschaftliche Erschließung des verkehrsstrategisch äusserst wichtigen Grabfeldes sehen.
Seit dem 13. Jahrhundert sind die Grafen von Henneberg im Besitz Königshofens. 1245 wird die Stadtburg erstmals urkundlich erwähnt. Sie stand an Stelle des späteren Amtshauses, der nachmaligen alten Volksschule. 1292 wird Königshofen als „oppidum“ (Stadt) bezeichnet. Eine Stadterhebungsurkunde fehlt. Mit der Stadtbefestigung wird begonnen. 1323 erhält Königshofen durch Kaiser Ludwig den Baiern das Marktrecht. 1340 ist Königshofen Gerichtsort der achten Zent des hennebergischen Gebiets. 1344 wird das ältestes Stadtsiegel erstmals verwendet. Es trägt die Umschrift: S.CIVIV.IN.KVNIGESHOVEN“ und zeigt die Henne auf dem Dreiberg (Henneberger Wappen).
1354 kommt Königshofen in den Besitz des Grafen Eberhard von Württemberg, der eine Tochter Graf Heinrichs VIII. von Henneberg heiratet. Dem Paar sind die hier ererbten Landesteile zu entlegen und so verkauft es die Stadt an das Hochstift Würzburg. Königshofen wird nun Sitz eines würzburgischen Amtes zur Verwaltung des Umlandes.
1397/98 ist Königshofen für lediglich drei Monate freie Reichsstadt. Vorausgegangen sind Streitigkeiten mit dem Würzburger Fürstbischof. König Wenzel zieht die elf Städten gewährte Vergünstigung wieder ein.
1442 wird mit dem Bau der heutigen Stadtpfarrkirche begonnen. Die erste, 822 erwähnte Kirche, war dem heiligen Petrus geweiht. Weithin berühmt sind in dem Gotteshaus neben den Werken des Königshöfer Bildhauers Johann Joseph Keßler (1711-1759) die Doppelwendeltreppe und das prachtvolle Westportal.
1525 beteiligen sich viele Bauern der Stadt und des Umlandes, organisiert im sogen. Bildhäuser Haufen, am Bauernaufstand. Nach Niederschlagung des Aufruhrs werden am Peter- und Paulstag im Beisein des Fürstbischofs Konrad von Thüngen sechs Aufrührer mit dem Schwert gerichtet.
1525 wird der Kornstein, ein mittelalterliches Eichmaß, auf dem Marktplatz an seinem jetzigen Standort aufgestellt. Der überaus großen Seltenheitswert besitzende Stein stand ursprünglich direkt vor dem Rathaus.
1562 werden bei einem Großbrand fast drei Viertel der Stadt vernichtet. Als Folge dessen wird 1591 eine „Fewer und Feindsgeschrey Ordnung“ erlassen.
1565 wird die Stadt erstmals als Festung bezeichnet. Königshofen wird wegen seiner militärgeographisch wichtigen Lage als fürstbischöfliche Grenzfestung, insbesondere in der Echterzeit um 1600 ausgebaut. 1826 wird die Entfestigung eingeleitet.
1571 - 1575 wird das Rathaus als Querbau zum aus dem Jahre 1413 stehenden Südflügel errichtet. Nur das erste Stockwerk hat zunächst Verwaltungsräume, darüber befindet sich der Tuchboden, der ab 1862 dem neuen Amtsgericht Platz macht, das 1972 aufgelöst wird.
1584/85 entsteht das ansehnlichste Gebäude der Echterzeit - das Juliusspital im Nordwesten des Kirchplatzes.
1596 wird der Vierröhrenbrunnen auf dem Marktplatz aufgerichtet, 1697 folgt auf der gegenüberliegenden Straßenseite eine Barockzisterne. Diese wird bekrönt mit einer Figur des Nationalheiligen Michael und heißt fortan „Michaelsbrunnen“. 1911 schließlich wird als dritter Brunnen auf dem Marktplatz anlässlich des 90. Geburtstags des im Volk ungemein beliebten bayerischen Prinzregenten Luitpold der Grabfeld- oder Luitpoldbrunnen eingeweiht. Stifter ist Reichsrat Friedrich von Deuster auf Schloss Sternberg.
1631 erobert Schwedenkönig Gustav Adolf im Verlauf des Dreißigjährigen Krieges (1618-48) mit seinem etwa 30.000 Mann starken Heer kampflos die Festung Königshofen, die mit einer schwachen Besatzung ungenügend auf den Feind vorbereitet ist.
1660/61 wird die im vorausgegangenen Krieg abgebrochene und verfeuerte mittelalterliche Ratsschenke, das Schlundhaus, wieder neu aufgebaut.
1665 wird ein Kapuzinerkloster in Königshofen eingeweiht. 300 Jahre später wird es als Folge der zurückgehenden Zahl von Berufungen für den geistlichen Stand aufgelöst. Das Konventsgebäude weicht einem modernen Hotelkomplex.
1693 wird der Wechterswinklische Schüttbau (die Schranne) errichtet. Das mehrstöckige Bauwerk berherbergt seit 1988 ein für Unterfranken einmaliges Vorgeschichtsmuseum.
1767 wird in Königshofen ein Thurn- und Taxischer Knotenpunkt der Postverbindung Würzburg - Hildburghausen eingerichtet, der 1826 zur königlich-bayerischen Postexpedition ausgebaut wird.
1796 erfolgt die zweite Übergabe der Festung Königshofen - diesmal an ein französisches Heer unter General Jourdan.
1802/03 wird das Gebiet des bisherigen Hochstifts Würzburg und damit Königshofen und das Grabfeld Bayern zugesprochen.
1851 - 1855 wird das nach seiner Stifterin Elisabetha Schmitt benannte „Elisabetha-Spital“ errichtet.
1862 erfolgt eine Trennung von Rechtspflege und Verwaltung. Königshofen wird Sitz eines Bezirksamtes, zu dem bis 1900 auch der Bereich Hofheim gehört. 1893 verkehrt der erste Zug auf der neu gebauten Stichbahn Neustadt - Königshofen. Ein wirtschaftlicher Aufschwung ist unverkennbar. 1976 verkehrte der letzte Personenzug und 1997 werden die Bahngleise zwischen Bad Königshofen und Bad Neustadt abgebaut
1894/98 wird eine evangelische Kirche errichtet. Das 1902 installierte Vikariat wird 1947 zur Pfarrstelle erhoben.
1896 wird anlässlich von Bohrungen nach Trinkwasser eine Mineralquelle entdeckt. Dies führt 1900 zur Eröffnung eines Badebetriebs.
1904 findet die feierliche Einweihung einer jüdischen Synagoge in Königshofen statt. Juden sind in der Stadt bereits seit 1298 ansässig. 1921 wird in Ipthausen ein eigener Friedhof für die über hundert Mitglieder zählende jüdische Gemeinde angelegt. In der Reichspogromnacht 1938 wird die Synagoge schwer beschädigt. Das stattliche Gebäude wird 1951 abgetragen. Mindestens sechs jüdische Mitbürger Königshofens werden im Dritten Reich von den Nazis ermordet.
1914 - 1918 fallen 38 Söhne der Stadt im Ersten Weltkrieg. Der Krieg unterbricht jäh die friedlichen Zeiten, bringt Leid und Not auch über die Stadt und führt das Ende des Königreichs Bayern herbei.
1945 bleibt die Stadt gegen Ende des Zweiten Weltkriegs ebenfalls nicht vor Bombenangriffen der Alliierten verschont, wobei Menschenleben zu beklagen sind. Hatte schon der Erste Weltkrieg Schlimmes im Gefolge gehabt, so ist das Ende des Zweiten Weltkriegs ein Ende mit Schrecken. Diesmal zahlt Königshofen mit 97 Gefallenen und mehr als 30 Vermissten einen weit höheren Blutzoll als im vorausgegangenen Völkerringen.
1945-1989 ist Königshofen und das Grabfeld als Folge des Zweiten Weltkriegs von seinem natürlichen Hinterland hermetisch abgeriegelt. Zahlreiche Vertriebene aus den Ostgebieten finden im Grabfeld eine neue Heimat. Durch die Teilung Deutschlands entstehen für das Königshöfer Land schwerwiegende wirtschaftliche Probleme. Das Grabfeld weist die geringste Industriedichte in ganz Bayern auf.
1947 wird ein Progymnasium, 1961 eine Realschule ins Leben gerufen.
1972 wird der Landkreis Königshofen i. Gr. aufgelöst und im Zuge der Kreisgebietsreform in Bayern mit den Kreisen Bad Neustadt und Mellrichstadt zum Landkreis Rhön-Grabfeld vereinigt. Sieben Umlandgemeinden schließen sich in der Folgezeit der Stadt an.
1974 wird Königshofen durch Ministerpräsident Alfons Goppel zur Badestadt erhoben. Ein „Kurzentrum“ wird gebaut, der Kurpark erweitert.
1991 feiert Bad Königshofen die Wiederkehr seiner ersten urkundlichen Erwähnung vor 1250 Jahren. Höhepunkt ist ein farbenprächtiger Festzug, in dem die Geschichte der Grabfeld-Metropole Revue passiert.
| | | Quellen:
 | Reinhold Albert, Heimat- und Archivpfleger des Landkreises Rhön-Grabfeld | | | |
| | | AutorIn Renate Remde | | |  |
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